_ Wald von Lublin/ Schechina, | Ulrike Grossarth

Wald von Lublin/ Schechina,

Lublin 2006

Im Winter 2005 las ich in den ‚Chassidischen Legenden’ von Martin Buber eine Passage, die die Einsatzstelle für ein bis heute andauerndes Projekt bildet, das zunächst mit Studierenden meiner Klasse bearbeitet wurde und jetzt in weiteren Reisen von unterschiedlichen Personen fortgeführt wird – Ende unabsehbar. Auslöser hierzu war ein Textfragment, das sich mit einer Eingebung des ‚Sehers von Lublin’, einem Zaddik des 18. Jahrhunderts befasst, der, während er in einem Pferdewagen durch den Wald von Lublin fährt prophezeit „ ... es werde einmal "die ganze offenbare und geheime Lehre mitsamt der Niederlassung der Schechina hier sein". Die Schechina ist ein geheimnisvolles sehr produktives Motiv der jüdischen Weisheitslehre und auch in der Literatur in vielen Deutungen anwesend (z.B. als abgewandte oder weibliche Seite Gottes, oder als Braut.)

Ich erinnere mich, dass uns die Beschreibung der selbstverständlichen Verknüpfung eines metaphysischen Geschehens mit einem realen Ort sofort stark affizierte. Der erste Impuls für unser Projekt war die einfache Bemerkung:…. „wir fahren mal hin und schauen, ob sie schon da ist“…. Erst viel später wurde uns klar, dass die wichtigste Stelle in dem Text die ist, wo vom Fahren gesprochen wird. Der Seher konnte die Relativierung seines Standpunktes durch die sich bewegenden Bäume zulassen, d.h. er stimmte der Aktivität des Umraumes zu, und war insofern in der Lage, das fehlende Element in unserer Kultur anzukündigen.